Audreal Röhrenkopfhörerverstärker MT-2 II

Einen Hörbericht zu schreiben wurde ich gebeten. Nun denn, wohl an. Kaufen, marsch, marsch! So einfach ist es nicht, oder eben doch?! Wieso sollte das, was ich schreibe, für andere von Relevanz sein? Wenn ich schriebe, daß ich die Stimme einer Sängerin noch nie zuvor mit soviel Gänsehaut gehört habe, oder daß zu erkennen sei, mit welchem Fell welche Trommel bespannt – wenn ich von Hörvergleichen berichtete, wem wäre es ein Dienst? So will ich also auf einem anderen Wege von meinem Höreindruck berichten, damit man ihn so vielleicht besser einzuschätzen vermag.

Welche Musik höre ich? Auf die Schlagerzeit der Kindertage folgte erst Mainstream Pop und Rock, dann viel Ausgefallenes, vorwiegend aus den Siebzigern, so wie es sich dann später auch auf den „Munich-City-Nights“ Samplern verbotenerweise wiederfand. Von London und Amsterdam habe ich damals vor allem die Plattenläden kennengelernt. Sogar DJ im Garmischer Exit bin ich für eine kurze Zeit gewesen (natürlich mit Gehörschutz). Dann ein kurzer Ausflug in den Jazz und schließlich, seit fünfzehn Jahren höre ich, von nostalgischen Momenten abgesehen, ausschließlich sogenannte Ernste Musik, vulgo Klassik.

Welche Erfahrungen haben mein Musikhören und -empfinden geprägt? Nach anfänglichem, damaligem Mainstream-Hifi, z.B. mit einem Yamaha A 960 II, der erste Ausbruch: Eine waschechte PA von Peavey und JBL mit einem (akustischem) Wirkungsgrad von 112 db im Mittel-Hochtonbereich – in einem fünfzehn Quadratmeter messenden Jugendzimmer. Was für eine Urgewalt war das! Wie die Musik körperlich spürbar wurde, nicht nur Baß und Schlagzeug, sondern selbst die E-Gitarren-Soli. O(h)rgiastisch. Ja, so mußte Rock, mußte Funk, mußte Blues klingen. Markerschütternd. Der ganze Körper hörte fühlend mit..., die armen Nachbarn!

Einige Jahre später, gönnte ich mir, aus Rücksicht auf Eltern und Nachbarn auch einen Kopfhörer. Zuerst einen AKG 1000 mit BAP 1000, allerdings ohne mich vermessen zu lassen, da ich mit einem der neun Presets sehr gut zurecht kam. Die Presets, die ja die Nachteile des Kopfhörerhörens ausgleichen sollten, also die klanglichen Veränderungen die durch selbiges Entfallen simulierend, wie die Reflektionen an Außenohr, Kopf, Schultergürtel, zeitversetztes Eintreffen des Signals des anderen Kanals, … Diese Presets also waren so entworfen, daß sie statistisch jeweils charakteristische Typen von Ohrformen, Kopfformen, … berücksichtigten. Das Erstaunliche war, wie extrem unterschiedlich diese ausgelegt waren und klangen. Daraus zog ich den Schluß, wie unterschiedlich unterschiedliche Menschen identisches Material allein durch ihre unterschiedlichen Körperformen bedingt, wahrnehmen. Der BAP generierte allerdings rechsseitig ein leises, aber mich dennoch störendes Geräusch, ein Summen, von welchem mir der Deutschlandsservice sagte, ich sei der Erste, der dies bemängele und er könne nichts hören – zu meiner Exculpation diente dann aber sein Meßgerät. Es folgte eine Entschuldigung, doch könne der Fehler nicht behoben werden, da es sich um einen (unerheblichen) Serienfehler handelte. Den AKG verkaufte ich daraufhin und hörte noch einige Zeit mit einem Stax Omega. Dabei lernte ich was an Auflösung und Detailfülle möglich war, wie auch an Klangfarbentreue, wenn die akustischen Einflüsse des Hörraumes ausgeschaltet wurden.

Dann begann die Krux, beides haben zu wollen, ohne Kompromiß, also die anspringende Direktheit und das körperliche Mithören wie bei einem Hornsystem, verbunden mit der Auflösung und Verfärbungsarmut eines elektrostatischen Kopfhörers.

Viele Lautsprecher haben daraufhin den Weg zu und auch wieder von mir genommen, u.a. aktive Systeme aus dem Profibereich wie Genelec (damals noch mit Bändchenhochtöner), die großen Manger Studio-Monitore, die RL 901 von Geithain, Adam (mit an Heil angelehntem Mitteltöner), Hornsysteme von Avantgarde Acoustic (die Trio), das Dornberg-System von AER von Filip Keller; auch Elektrostaten und Magnetostaten habe ich versucht, zuletzt von VMPS (der für mich bislang beste Versuch die Tugenden Dynamik und Klangfarbentreue zu vereinen (for sale right now) … doch der Spagat war nicht zu schaffen.

Eine weitere, die Suche verkomplizierende Erfahrung war, daß ich natürliche Instrumente und Stimmen oft live gehört habe, was in der Klassik, ja üblicherweise ohne künstliche Verstärkung und Lautsprecherwiedergabe geschieht. Ich hatte Gesangsunterricht genommen und dabei auch viele Kollegen live und auf kurze Entfernung hören können. Jene war mir auch wichtig, um den Obertonreichtum der Instrumente nicht an Inventar oder die Luft zu verlieren (sie ist ja ein Tiefpaßfilter). Ich hatte ein Abo in der Bayrischen Staatsoper, erste Reihe Mitte, nicht um dem Dirigenten über die Schulter gucken zu können, sondern um mich, über den Orchestergraben beugen zu können, insbesondere bei einer Strauß-Oper, was für ein Erlebnis, eine Klangflut sondergleichen. Nebenbei hatte ich noch Klavierunterricht, wie es der Zufall wollte, auf einem Steinway-Konzertflügel. Ergo wußte ich alsdann, wie natürliche Instrumente und Stimmen klangen und genauso, oder wenigstens möglichst genauso, wollte ich sie reproduziert wissen. Das war aber mit allen mir bekannten und gehörten Lautsprechern in normalen Räumen (waren Sie schon mal in einem Raum nach Rundfunknorm oder gar in einem schalltoten Raum – ebenfalls akustische Erlebnisse, die sie sich, so sie sich ergeben, nicht entgehen lassen sollten) auch wenn sie bedämpft sind, nicht möglich.

So bin ich also letztlich doch wieder beim Kopfhörerhören angelangt, mit einem Magnetostaten von Hifiman. Den betrieb ich anfangs noch mit meiner Funk Matrix Vorstufe, die für einen so niederohmigen Hörer aber nicht ausgelegt ist. Reine Transistor-Kopfhörer-Verstärker vermochten mich bislang nicht zu einem Kauf zu erwärmen, doch als Tom von Hifi Weiler den Audreal-Röhren-(Kopfhörer-)Verstärker MT-2 mir „mal zum ausprobieren“ vorbeibrachte, da stellte sie sich plötzlich ein, die so lang ersehnte klangliche Zufriedenheit. Natürlich immer noch mit den Nachteilen des Kopfhörerhörens behaftet, doch davon abgesehen, auf welch wunderbarem Niveau diese Gerätekombination doch musiziert. Sie belohnt mit wunderbaren Klangfarben und einem phantastischen Obertonreichtum, denn, Thomas, die wunderbaren Klangfarben ihm zu attestieren, das sollte dem Audreal doch wahrlich nicht vorenthalten werden. Selbst feinste Schwebungen eines Flügels werden hörbar, wie auch mit einer Durchhörbarkeit, wie ich sie vor allem bei einem so komplexen Musikmaterial wie durch die Klassik gegeben, sehr schätze. So werden sowohl die Verständlichkeit der Werke, der ihnen inherenten Strukturen gefördert, wie auch deren Genuß. Da capo!

Kann also auch für andere das Kaufen marsch, marsch – als Motto Gültigkeit besitzen? (Nicht) nur für nächtlich rücksichtsvollen Musikgenuß? Beide, der Kopfhörer, wie auch der besprochene Verstärker sind beide, vor allem, aber nicht nur, gemessen an dem, was sie bieten sagenhaft preiswert. Chapeau!

Marc S.

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